Ich war lange kein Wintermensch.
Eher das Gegenteil.
Ich gehörte zu denen, die sagen: Ich gehe nur raus, wenn die Sonne scheint – und bitte nicht zu lange.
Kälte mochte ich nicht.
Grau auch nicht.
Und diese dunklen Nachmittage fühlten sich für mich eher nach Durchhalten als nach Leben an.
Dann kam Paul.
Und plötzlich ist dieser Winter mein erster Winter, der sich anders anfühlt.
Nicht, weil es draußen wärmer geworden wäre.
Sondern, weil sich mein Blick verändert hat.
Mit Paul gehe ich jetzt auch raus, wenn es kalt ist.
Wenn Nebel über den Feldern liegt.
Wenn der Boden gefroren ist und die Luft klar und still wirkt.
Wenn es eigentlich genau das Wetter ist, bei dem ich früher drinnen geblieben wäre.
Und ja – manchmal denke ich noch: Heute wäre Sofa-Wetter.
Aber dann gehen wir trotzdem.
Und fast jedes Mal bin ich danach froh.
Der Winter fühlt sich plötzlich nicht mehr nur nach Dunkelheit an, sondern nach Ruhe.
Nach Entschleunigung.
Nach einer anderen Form von Schönheit, die ich früher kaum wahrgenommen habe.
Es sind diese Spaziergänge, die anders geworden sind.
Langsamer.
Bewusster.
Leiser.
Und dann gibt es diesen Moment, wenn wir zurückkommen.
Die Tür fällt ins Schloss.
Die Kälte bleibt draußen.
Drinnen wird es warm.
Eine Tasse Tee.
Eine weiche Decke.
Paul, der sich zusammenrollt.
Ein Hoodie oder Shirt, das sich nach Zuhause anfühlt.
Stille.
Dieser Kontrast – draußen kalt, drinnen warm – ist für mich inzwischen einer der schönsten Teile des Winters.
Ich merke, dass Gemütlichkeit kein Luxus ist.
Sie ist etwas, das mich reguliert, beruhigt und erdet.
Dass kleine Rituale plötzlich wichtig werden.
Dass es nicht um große Pläne geht, sondern um kleine, ehrliche Momente.
Vielleicht hat Paul mir beigebracht, den Winter nicht mehr nur als etwas zu sehen, das man „übersteht“.
Sondern als Zeit, in der man langsamer wird.
Achtsamer.
Präsenter.
Vielleicht ist Winter nicht die Jahreszeit, die ich liebe.
Aber es ist die, die ich gerade lerne, neu zu schätzen.
Und vielleicht ist genau das genug.